Geschichte der Gemeinde

 

Walldorfs katholische Kirchengeschichte vor 1901

Die katholische Pfarrkirche St. Peter ist das älteste in Walldorf vorhandene Bauwerk. Freilich trifft dies nur auf den ehemaligen Chorturm mit seinem darunter befindlichen Kreuzgewölbe zu. Er soll noch von der im Jahre 1197 erstmals erwähnten Kirche stammen.

Im Jahre 1507 wurde die Kirche St. Peter bis auf den Turm abgerissen und ein neues, erweitertes Langhaus gebaut. Während des Dreißigjährigen Krieges war der Glockenstuhl durch einen Blitz in Brand geraten und zerstört worden. 1653 wurde der Glockenturm wiederhergestellt.

Nach mehreren Reparaturen im 18. Jahrhundert erfolgte die nächste große Kirchenerweiterung von St. Peter im Jahre 1787. Der Chorbogen des im Turm der Kirche untergebrachten Chores wurde zugemauert, um ihn als Glockenstube nutzen zu können. Zur Durchführung der Glockenseile wurde die Chordecke an vier Stellen durchbohrt. Nach Verlegung des Kirchhofes, d.h. des um die Kirche befindlichen Friedhofes vor den Ort hinaus, konnte die 1507 erbaute Kirche nach hinten und nach vorne (zur Hauptstraße zu) erweitert werden, d.h. aus der ursprünglich geosteten Kirche entstand 1787 eine Kirche in Nord-Süd-Richtung. In dieser Gestalt bliebt die Kirche St. Peter bis zur letzten Kirchenerweiterung im 20. Jahrhundert.

Von Walldorfs Stadterhebung 1901 bis zum Ersten Weltkrieg 

Zur Zeit der Stadterhebung 1901 fällt der Verlust der ältesten Bronzeglocken der katholischen Kirchengemeinde. Die älteste Glocke auf dem Turm stammte aus dem „13. Jahrhundert. Die uralte Walldorfer Glocke wurde eingeschmolzen, wodurch uns ein einmaliges Zeugnis aus Walldorfs Geschichte verloren ging! Im Jahr 1903 erhielt die Kirche St. Peter ein neues Geläute mit vier Glocken.

Im Herbst 1912 gründete Hennegriff den „Jünglingsverein“, die heutige „Katholische Junge Gemeinde“ (KJG). Außerdem plante er die Gründung eines christlichen Müttervereins im Jahre 1912. Auch eine mögliche Kirchenvergrößerung wird wieder einmal in Erwägung gezogen.

Der Erste Weltkrieg und die Zeit zwischen den Kriegen 

1917 mussten die neu angeschafften Glocken dem Krieg geopfert werden. Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs beantragte der Walldorfer Stiftungsrat am 15. August 1919 die Anschaffung eines Stahlgeläutes für die katholische Pfarrkirche. Die vier 1919 gegossenen Stahlglocken läuten heute noch in Walldorf.

Nach der Anschaffung neuer Glocken und eines neuen Glockenstuhls erfolgte nun auch eine vollständige Renovierung der Kirche St. Peter durch Pfarrer Barth in den Jahren 1921/22. Die Kosten betrugen 100000 Mark. Die Kirche wurde neu ausgemalt, mit schöneren Altären ausgestattet und es wurde ein künstlerisch wertvoller Kreuzweg aus dem Augustinermuseum in Freiburg gekauft. Das besondere an diesem Kreuzweg war die Tatsache, dass die Bilder nicht wie üblich auf Leinwand, sondern auf Holz gemalt waren.

1928 erfolgte die Gründung der Katholischen Frauengemeinschaft.

Am 6. August 1935 wurde der katholische Krankenverein in Walldorf gegründet.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit bis zum Milleniumswechsel 

1936 übernahm Otto Dietz (1936-1958) als Pfarrer die Pfarrei Walldorf. Als Folge des Zweiten Weltkrieges wuchs die Einwohnerzahl Walldorfs durch Zuzug von fast 1000 Heimatvertriebenen. Bis 1945 betrug der Bevölkerungsanteil der Katholiken etwa ein Drittel, der Protestanten etwa zwei Drittel. Da die Heimatvertriebenen hauptsächlich katholisch waren, verschob sich der Anteil der Katholiken nach 1945 auf knapp die Hälfte.

1958 wurde Alois Rupp (1958-1984) Pfarrer in Walldorf. Unter ihm kam es in der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter zu vielen Neuerungen. Die wichtigste sichtbare Neuerung war die in den Jahren 1961/62 durchgeführte Vergrößerung der Kirche St. Peter. Das Untergeschoss des Kirchturms wurde wieder weitgehend in seinen ursprünglichen spätgotischen Zustand versetzt. Durch die Entfernung der Vermauerung des alten Triumphbogens konnte der ehemalige Turmchor in den neuen Kirchenraum einbezogen werden, allerdings nicht mehr als Chor, sondern als Taufkapelle.

Der bei der Kirchenrenovierung 1920 wiederentdeckte Gedenkstein der Maria-Hilf-Bruderschaft mit dem Wappen des Kurfürsten Carl Philipp fand bei der Kirchenerweiterung 1961/62 seinen Platz in der Mitte des alten Kirchenschiffes an der westlichen Wand. Auch der noch gut erhaltene Grabstein von Pfarrer Johann Adam Stumpf, der 1749 starb und im damaligen Chor von St. Peter beerdigt wurde, kam beim Kirchenumbau unter den Bänken zum Vorschein. Er wurde wieder an seinem ursprünglichen Platz im Chor angebracht.

Gleichzeitig mit der erweiterten Kirche erhielt die katholische Gemeinde Walldorf erstmals auch einen eigenen Pfarrsaal. Die Sakristei und ein Jugendheim wurden in einem zwei Stockwerke hohen Stockwerk untergebracht, das ebenfalls an die erweiterte Kirche angegliedert wurde.

1964 zählte Walldorf fast 5000 Katholiken. Unter Pfarrer Rupp wurden im Juni ein neues Schwesternhaus eingerichtet und daneben ein neuer Kindergarten St. Marien gebaut. Im Januar 1974 wurde der zweite katholische Kindergarten St. Peter bezogen. In seinem Untergeschoss wurde das Jugendzentrum untergebracht.

Im Juni 1984 erklärte Pfarrer Rupp seinen Verzicht auf die Pfarrei Walldorf. Nachfolger war Dieter Nesselhauf, der seinen Dienst am 10. September 1984 antrat.

Auf Initiative von Pfarrer Nesselhauf und Hans Klemm, der damals Pfarrgemeinderatsvorsitzender war, fand im Advent 1984 der erste Weihnachtsmarkt in Walldorf statt. Dieser war zunächst eine rein katholische Einrichtung, wurde jedoch schon 1985 zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf veranstaltet.

Hatte Pfarrer Rupp in seiner Amtszeit neben ehrenamtlichen Mitarbeitern lediglich Kapläne als Helfer, so folgten nach dem Pfarrerwechsel 1984 auch fest angestellte hauptamtliche Mitarbeiter: 1985 Frau Wessel, 1986 Sabine Hansen. Frau Wessel wurde zwischenzeitlich durch Manfred Uhl als Gemeindereferent abgelöst.

An einem Festwochenende im September 1987 feierte die Katholische Junge Gemeinde Walldorf ihr 75-jähriges Bestehen. Neben der Durchführung von Gruppenstunden veranstaltet die KJG regelmäßig ihre sehr beliebten Freizeiten und Theaterabende.

Das Carolusheim, früher ursprünglich ein zum Pfarranwesen gehörender Stall, war von Pfarrer Rupp zu einer katholischen Pfarrbücherei umgestaltet worden. Bis zur Eröffnung der Stadtbücherei Walldorf war die katholische Bücherei die einzige in der Astorstadt. Etwa zwei Jahre nach Eröffnung der Stadtbücherei wurde die katholische Bücherei aufgelöst. 1989 konnte das Gebäude zum heutigen Carolushaus umgebaut werden. Die Räumlichkeiten werden seitdem für kirchliche Gruppenarbeiten genutzt.

Als in der Kirche St. Peter der Einbau einer neuen Heizung notwendig wurde und Heizungsschächte gegraben werden mussten, erfolgte auch eine Umgestaltung des Kircheninneren. Der alte Taufstein in der Taufkapelle im Kirchturm wurde in die Mitte des Kirchenschiffes versetzt, wofür der vorher am Seitenaltar sich befindliche Tabernakel in die Taufkapelle kam. Da zudem alle Kirchenbänke im Langhaus durch Stühle ersetzt wurden, die nun im Halbkreis um den Tabernakel im Turm gruppiert sind, wurde so aus der „Taufkapelle“ eine offene „Turmkapelle“, in der an Werktagen oder am Samstagabend kleinere Gottesdienste abgehalten werden.

In einer Mitgliederversammlung des katholischen Krankenpflegeverein am 24. Oktober 1995 wurde dessen Satzung dahingehend geändert, dass nun nicht mehr nur die Krankenpflege, sondern allgemein sozial-caritative Aufgaben wie die Hospizhilfe, Hilfe für in Not geratene Familien, Entlastungshilfe für pflegende Familien, Kranke und Alte im Vordergrund standen. Zugleich wurde ein neuer Vereinsname gewählt: Förderverein für caritative Aufgaben St. Peter Walldorf e.V.

Ein erster und wichtiger Impuls für die ökumenische Zusammenarbeit in Walldorf war der 1985 gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde veranstaltete Weihnachtsmarkt. Überhaupt ist es bemerkenswert, dass in Walldorf der Gedanke der Ökumene gefördert und in die Tat umgesetzt wurde. Nach langer Vorbereitung fand erstmals am Ostersonntag 1995 in der Astorstadt eine ökumenische Auferstehungsfeier in der Kirche St. Peter statt und seither im jährlichen Wechsel in einer der beiden Walldorfer Kirchen.

1996 wurde der Ökumenische Arbeitskreis Walldorfer Kirchenmusiker unter Leitung von Dr. Isolde Schleich-Czink und Hans Giegl ins Leben gerufen

Am 8. Oktober 1998 wurde unter Vorsitz von Werner Sauer im Carolushaus der Kirchliche Bauförderverein St. Peter Walldorf gegründet mit dem Ziel, „die Katholische Kirchengemeinde St. Peter Walldorf zur Bauunterhaltung der Pfarrkirche einschließlich der Innenausstattung ideell und materiell zu unterstützen.“

Mit Ablauf des Jahres 1999 stieg die Walldorfer katholische Gemeinde St. Peter aus der Kirchlichen Sozialstation aus, um neben vielen sozialen Tätigkeiten zusammen mit dem evangelischen Krankenpflegeverein die kommunale Astorstiftung zu unterstützen.
Im September des Jahres 2007 bildete die Pfarrgemeidne Walldorf zusammen mit den Pfarrgemeinden St. Leon und Rot die "Seelsorgeeinheit Walldorf-St.Leon-Rot". Seit 1.1.2015 sind diese drei Pfarrgemeinden zur "Römisch-katholischen Kirchengemeinde Walldorf-St.Leon-Rot" zusammengeschlossen.
Leicht geändert nach Klaus Ronellenfitsch