Geschichte der Orgel
Im Jahre 1787 wurde die alte Chorturmkirche, die in Ost-West-Richtung stand, abgebrochen und durch einen Neubau in Nord-Süd-Richtung ersetzt. Ob vor diesem Neubau die Kirche eine Orgel hatte, konnte ich nicht finden. Im Jahre 1803/04 baute Anton Overmann aus Heidelberg für diese neue Kirche eine einmanualige Orgel mit Pedal mit 14 Registern.
Die Disposition dieser Orgel war:
Die Disposition dieser Orgel war:
| Manual C – d’’’ (51 Töne) | ||
| 1. Prinzipal 8’ | 7. Oktave 4’ | |
| 2. Salicional 8’ | 8. Quinte 2 2/3’ | |
| 3. Bourdon 8’ | 9. Oktave 2’ | |
| 4. Gamba 8’ | 10. Terz 1 1/3’ | |
| 5. Flöte 8’ | 11. Mixtur 2 2/3’ (4-fach) | |
| 6. Flöte 4’ | ||
| Pedal C – d (15 Töne) | ||
| 12. Subbass 16’ | 13. Oktavbass 8’ | 14. Posaunbass 16’ |
Diese Orgel tat ihren Dienst bis zum Jahre 1962, als der Chor abgerissen die Kirche von 1787 durch einen großen Neubau erweitert wurde. Im Laufe der über 150 Jahre stellten sich natürlich auch verschiedene Mängel ein. Im Jahre 1932 müssen die Mängel so groß gewesen sein, dass der damalige Pfarrer, Dekan Viktor Barth, Angebote von zwei Orgelbaufirmen einholte. Es sollte das fehlende Prospekt eingebaut und die ganze Orgel gereinigt und instand gesetzt werden. In einem Schreiben an das Erzbischöfliche Bauamt Heidelberg vom 18. Juni 1932 schrieb Orgelbaumeister Carl Hess aus Durlach:
„Besonderen Wert ist auf die tonliche schöne Eigenart des vor ca. 150 Jahren erbauten Orgelwerkes zu legen und im Sinne des alten Meisters neu aufleben zu lassen.
"Soviel ich feststellen konnte, ist das Werk trotz seines hohen Alters glücklicherweise von unkundigen Eingriffen verschont geblieben und stellt daher eine historische Seltenheit dar.“
"Soviel ich feststellen konnte, ist das Werk trotz seines hohen Alters glücklicherweise von unkundigen Eingriffen verschont geblieben und stellt daher eine historische Seltenheit dar.“
Die Orgelbaufirma Carl Hess aus Durlach baute im Sommer 1932 einen neuen Prospekt mit insgesamt 39 Pfeifen, besserte schadhafte Pfeifen aus, erledigte kleinere Reparaturen und reinigte die alte Orgel. Der Preis dafür betrug 395,00 RM (Reichsmark). Die Frachtkosten von Durlach nach Walldorf musste die Pfarrei übernehmen. Ebenso musste die Pfarrgemeinde während der Dauer der Reparatur einen „Handlanger“ und einen „Blasebalgtreter“ kostenlos stellen. Zum Einbau eines von Orgelbaumeister Wilhelm Bader aus Hardheim vorgeschlagenen elektrischen Winderzeugers (Ventus) ist es damals nicht gekommen, wahrscheinlich hatte die Pfarrei nicht die erforderlichen 398,00 RM.
Im Jahre 1948 musste von der Firma Hess der defekte Blasebalg repariert werden, was 92 Mark kostete. Der Orgelbauer bekam 3,30 RM pro Stunde, sein Gehilfe 1,50 RM. Dieser Rechnungsbetrag war dem damaligen Stadtpfarrer Otto Dietz wohl zu viel und er war auch mit der Arbeit nicht zufrieden. In seiner Antwort schrieb Carl Hess, dass der Rechnungsbetrag nach den „derzeitig genehmigten und üblichen Sätzen“ aufgestellt sei. Weiter hieß es in dem Schreiben: „Ferner wird Ihnen heute wohl kaum ein Orgelbauer ein Fell Leder ohne Gegenleistung geben, das mich im Einkauf schon M 20.- kostet, ganz zu schweigen von Leim, Nägel etc.“
Im August 1948 sollte mit der Montage des Winderzeugers „Ventus“ begonnen werden, der auch im Dezember 1948 mit 372,75 DM (schon Deutsche Mark, da nach der Währungsreform) in Rechnung gestellt wurde. Pfarrer Dietz vermerkte auf der Rechnung, dass der Betrag vom „Jugendverein“ bezahlt wurde. Es muss sich dabei um den „Kath. Jugend- und Jungmännerverein“ handeln. In dieser Zeit war es schwierig, die erforderlichen Materialien zu besorgen. Deshalb wurde der Winderzeuger erst am 28. Februar 1949 eingebaut. Der Orgelbaumeister schrieb dazu am 22.Februar 1949 an Herrn Stadtpfarrer Dietz:
Im Jahre 1948 musste von der Firma Hess der defekte Blasebalg repariert werden, was 92 Mark kostete. Der Orgelbauer bekam 3,30 RM pro Stunde, sein Gehilfe 1,50 RM. Dieser Rechnungsbetrag war dem damaligen Stadtpfarrer Otto Dietz wohl zu viel und er war auch mit der Arbeit nicht zufrieden. In seiner Antwort schrieb Carl Hess, dass der Rechnungsbetrag nach den „derzeitig genehmigten und üblichen Sätzen“ aufgestellt sei. Weiter hieß es in dem Schreiben: „Ferner wird Ihnen heute wohl kaum ein Orgelbauer ein Fell Leder ohne Gegenleistung geben, das mich im Einkauf schon M 20.- kostet, ganz zu schweigen von Leim, Nägel etc.“
Im August 1948 sollte mit der Montage des Winderzeugers „Ventus“ begonnen werden, der auch im Dezember 1948 mit 372,75 DM (schon Deutsche Mark, da nach der Währungsreform) in Rechnung gestellt wurde. Pfarrer Dietz vermerkte auf der Rechnung, dass der Betrag vom „Jugendverein“ bezahlt wurde. Es muss sich dabei um den „Kath. Jugend- und Jungmännerverein“ handeln. In dieser Zeit war es schwierig, die erforderlichen Materialien zu besorgen. Deshalb wurde der Winderzeuger erst am 28. Februar 1949 eingebaut. Der Orgelbaumeister schrieb dazu am 22.Februar 1949 an Herrn Stadtpfarrer Dietz:
„Die beiden Orgelbauer werden morgens um 8 Uhr mit der Arbeit beginnen und abends auf den Zug 17.11 oder 18 Uhr ab Wiesloch-Walldorf gehen. Ihr Essen bringen sie mit, ich möchte nur die Bitte aussprechen, dasselbe in Ihrer Küche wärmen zu lassen.“
Gleichzeitig schickte der Orgelbauer ein Gutachten über die Orgel mit.
Diese Erweiterung kam nie zur Ausführung. Auch die gründliche Reinigung und die Instandsetzung fanden nicht statt. Lediglich ein neuer Blasebalg wurde am 4. März 1949 für 335,00 DM eingebaut, weil „die beiden Kastenbälge durch unsinniges Wasser einfüllen sehr beschädigt“ waren. Dieser neue Blasebalg wurde der Einfachheit halber auf den Kirchenspeicher gestellt.
So blieb die Orgel bis zum Jahr 1962, als die Orgelbauwerkstatt Wolfgang Scherpf aus Speyer den Auftrag erhielt, die Orgel zu restaurieren und zu erweitern. Inzwischen wurde, wie schon oben erwähnt, der Chor der alten Kirche abgerissen und durch ein großzügiges Querschiff erweitert. Hatten vor dem Neubau etwas über 300 Personen in der Pfarrkirche Platz, so waren es danach fast 900. Durch den zeltartigen Anbau wurde auch das Raumvolumen enorm vergrößert. Deshalb entschloss man sich, die Orgel von 14 Registern auf 30 Register zu erweitern. Dazu musste die Empore abgerissen und tiefer gelegt, das unter Denkmalschutz stehende Barockgehäuse vergrößert und ein Rückpositiv gebaut werden. Am 31. Oktober 1962 wurde der Orgelbauvertrag mit der Firma Scherpf abgeschlossen. Restaurierung und Erweiterung sollten 60.550,00 DM kosten.
Die neue Disposition wurde genau nach erhaltenen Overmann-Orgeln in Hainstadt und Hüffenhardt gewählt. Soweit irgend möglich wurde der alte Bestand erhalten. Doch erwies sich das Pfeifenmaterial als sehr dünnwandig (die Orgel wurde in Kriegszeiten erbaut). Deshalb mussten einzelne Pfeifen und sogar ganze Register ausgetauscht werden. Folgende Disposition wurde gewählt:
Diese Erweiterung kam nie zur Ausführung. Auch die gründliche Reinigung und die Instandsetzung fanden nicht statt. Lediglich ein neuer Blasebalg wurde am 4. März 1949 für 335,00 DM eingebaut, weil „die beiden Kastenbälge durch unsinniges Wasser einfüllen sehr beschädigt“ waren. Dieser neue Blasebalg wurde der Einfachheit halber auf den Kirchenspeicher gestellt.
So blieb die Orgel bis zum Jahr 1962, als die Orgelbauwerkstatt Wolfgang Scherpf aus Speyer den Auftrag erhielt, die Orgel zu restaurieren und zu erweitern. Inzwischen wurde, wie schon oben erwähnt, der Chor der alten Kirche abgerissen und durch ein großzügiges Querschiff erweitert. Hatten vor dem Neubau etwas über 300 Personen in der Pfarrkirche Platz, so waren es danach fast 900. Durch den zeltartigen Anbau wurde auch das Raumvolumen enorm vergrößert. Deshalb entschloss man sich, die Orgel von 14 Registern auf 30 Register zu erweitern. Dazu musste die Empore abgerissen und tiefer gelegt, das unter Denkmalschutz stehende Barockgehäuse vergrößert und ein Rückpositiv gebaut werden. Am 31. Oktober 1962 wurde der Orgelbauvertrag mit der Firma Scherpf abgeschlossen. Restaurierung und Erweiterung sollten 60.550,00 DM kosten.
Die neue Disposition wurde genau nach erhaltenen Overmann-Orgeln in Hainstadt und Hüffenhardt gewählt. Soweit irgend möglich wurde der alte Bestand erhalten. Doch erwies sich das Pfeifenmaterial als sehr dünnwandig (die Orgel wurde in Kriegszeiten erbaut). Deshalb mussten einzelne Pfeifen und sogar ganze Register ausgetauscht werden. Folgende Disposition wurde gewählt:
| Hauptwerk | (C-g''') | Rückpositiv | (C-g''') | |
| 1. Quintatön | 16' neu | 13. Gedackt | 8' neu | |
| 2. Principal | 8' neu | 14. Flöte | 8' neu | |
| 3. Gambe | 8' alt | 15. Salicional | 8' alt | |
| 4. Bourdon | 8' alt | 16. Piffaro | 8' neu | |
| 5. Flöte | 8' alt | 17. Principal | 4' neu | |
| 6. Oktave | 4' alt | 18. Rohrflöte | 4' neu | |
| 7. Flöte | 4' alt | 19. Gemshorn | 4' neu | |
| 8. Quinte | 2 2/3'alt | 20. Flagelot | 2' neu | |
| 9. Oktave | 2' alt | 21. Mixtur 3-fach | 1' neu | |
| 10. Terz | 1 3/5' alt | 22. Kornett 5-fach | neu | |
| 11. Mixtur 4-fach | 1 1/3' neu | 23. Krummhorn | 8' neu | |
| 12. Trompete | 8' neu | |||
| Pedalwerk | (C-f’) | Koppeln | ||
| 24. Violonbass | 16' neu | II / I I / P II / P | ||
| 25. Subbass | 16' alt | |||
| 26. Oktavbass | 8' alt | System: | ||
| 27. Gedecktbass | 8' neu | Schleiflade | ||
| 28. Oktave | 4' neu | Mechanische Spieltraktur | ||
| 29. Posaune | 16' alt | Mechanische Registertraktur | ||
| 30. Fagott | 8' neu |
Die Bauarbeiten zogen sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen in die Länge, so dass erst am 3. Dezember 1965 die Abnahme der Orgel durch den Erzbischöflichen Orgelsachverständigen Dr. Rudolf Walter im Beisein von Herrn Stadtpfarrer Alois Rupp und Orgelbaumeister Wolfgang Scherpf erfolgte. Die Orgelweihe fand am 31.1.1966 statt.
Diese Orgel tat ihren Dienst bis zum Jahre 2003. Doch die Mängel waren immer wieder hörbar. Irgendwann gab unsere alte Orgel ihren Geist auf. Da es sich im Kern um ein historisch wertvolles Instrument handelt, wird sich die Frage nach der Erhaltung stellen müssen. Denkbar wäre, das nachträglich angebrachte Rückpositiv zu entfernen und in das 200 Jahre alte Gehäuse eine kleinere Orgel mit den alten oder auch mit neuen Pfeifen zu bauen. Dieses Instrument könnte die Gottesdienste im hinteren Teil der Kirche begleiten.
