Die neue Göckel-Orgel

 
Es war für jeden Kirchenbesucher schon seit Jahren zu hören, dass unsere Orgel auf der Empore „aus dem letzten Loch pfiff“. Viele Töne gingen nicht mehr und ab und zu blieben Töne hängen.

Am 18.3.1998 fand auf Anforderung des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg eine Begutachtung durch den Erzb. Orgelinspektor Godehard Weithoff statt. Dieser beschrieb seinen ersten Eindruck vom Inneren der Orgel als „verheerend“. Die ganze Orgel sei zu schwach und hätte keine Strahlkraft, die einzelnen Register seien undifferenziert und charakterlos und „vermögen nicht Hörer im Querschiff zu erreichen“. Grund war seiner Meinung nach, dass die ursprüngliche Orgel von Anton Overmann aus dem Jahre 1804 für die frühere Architektur der Kirche bestimmt war. Nach der Vergrößerung der Kirche im Jahre 1962 hatte man das Instrument durch ein Rückpositiv zwar vergrößert, aber die für die wesentlich kleinere Kirche ausgelegte Disposition nicht grundlegend verändert.

Von einer Restaurierung, die mindestens 100.000.- DM gekostet hätte, riet der Erzb. Orgelinspektor ab, da auch diese „ einen die Kirche füllenden Orgelklang nicht zuwege bringen und somit immer eine Quelle der Unzufriedenheit bestehen bleiben wird.“

Was sollte also nun getan werden?
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Der Pfarrgemeinderat und der Stiftungsrat beschäftigten sich wiederholt mit dieser Angelegenheit, stellten aber fest, dass keine Kirchensteuermittel zur Verfügung gestellt werden konnten, da der Haushalt der Kirchengemeinde durch die laufenden Kosten der kirchlichen Gebäude einschließlich der beiden Kindergärten überstrapaziert ist. Daneben ist die Pfarrgemeinde durch die Rückzahlung von Krediten für bereits durchgeführte bauliche Maßnahmen wie den Ausbau des Carolushauses und die Renovierung des Pfarrsaales stark belastet.

Also wurde am  1998 der Kirchliche Bauförderverein St. Peter gegründet. Ziel des Vereins war und ist die ideelle und materielle Förderung und Unterstützung der Kath. Kirchengemeinde St. Peter Walldorf zur Bauunterhaltung der Kath. Kirche Walldorf einschl. der Innenausstattung.

Der neu gegründete Verein machte sich sofort an die Arbeit und warb Mitglieder, (z.Zt. 107 Mitglieder) die durch regelmäßige Beiträge das Vereinsziel unterstützen.

Gleichzeitig wurden verschiedene Aktionen durchgeführt, um das große Orgelprojekt zu verwirklichen. Vorher musste aber noch der historisch wertvolle Kreuzweg restauriert werden, weil er zu verfallen drohte. Diese Maßnahme verschlang allein 100.000,- DM. Allerdings konnten 2/3 der Summe durch Zuschüsse wieder refinanziert werden.

Neben dem Zusammentragen von Spenden wurde parallel der Standort der neuen Orgel diskutiert. Für den Erzb. Orgelinspektor war klar, dass die Empore wegen der baulichen Verhältnisse der erweiterten Pfarrkirche nicht der richtige Standort ist. Der Anbau mit seiner enormen Höhe könne durch eine Emporenorgel nicht richtig beschallt werden, so die Meinung des Experten. Diesem Argument konnte sich niemand der Verantwortlichen verschließen. Die inzwischen zur Abgabe eines Angebots aufgeforderten Orgelbaufirmen schlugen verschiedene Standorte vor, einer in der Mitte zwischen Alt- und Neubau und einer an der linken Stirnseite der Kirche. Dieser Standort wurde nach ausgiebiger Diskussion ausgewählt. Gleichzeitig wurde beschlossen, das Marienbild auf die rechte Seite zu bringen, wo es nun zusammen mit dem Bild des hl. Josef einträchtig hängt.

Dem Stiftungsrat lagen drei Angebote vor. Er beschloss, die Orgelbaufirma Karl Göckel, Mühlhausen-Rettigheim, mit dem Bau der Orgel zu beauftragen. Der Vertrag wurde am 04. Dezember 2004 unterzeichnet. Die Orgel sollte 30 klingende Register haben, verteilt auf 2 Manuale und ein Pedal. Die alte Orgel auf der Empore soll zunächst unversehrt stehen bleiben. Später soll in das historisch wertvolle Orgelgehäuse aus dem Jahre 1804 eine kleinere Orgel gebaut werden, die bei Werktagsgottesdiensten und der Vorabendmesse gespielt werden könnte.

Ob noch historische Pfeifen verwendet werden können, wird man dann sehen. Um später auch die Emporenorgel vom Spieltisch der Hauptorgel spielen zu können, wurde ein drittes Manual eingebaut. Mit diesem 3. Manual kann auch das Positiv mit zwei zusätzlichen Registern, nämlich eine Voix humain 8’ und ein Gedackt 8’ gespielt werden.

Im Frühjahr 2005 begannen die konkrete Planungsphase und die Vorbereitungen in unserer Kirche. In einer Vorstandssitzung des Baufördervereins, bei der auch Herr Göckel anwesend war, wurde der zeitliche Ablauf des Orgelneubaus festgelegt. Das Ergebnis dieses Planes war: Zu Pfingsten 2006 kann die neue Orgel eingeweiht werden.

Diverse Arbeiten – fast alle in Eigenregie ausgeführt – standen nun auf dem Plan. Den Platz, an dem die neue Orgel gebaut werden soll galt es nun herzurichten. Zunächst wurden einige Kirchenbänke entfernt und der Marienaltar kam an den Platz des Josefsaltars. Dieser wurde im hinteren Teil der Kirche aufgestellt. Das Maria-Hilf-Bild wurde zusammen mit dem Josefsbild im rechten Seitenschiff angebracht. Dann musste der Parkettboden und der Betonsockel des Marienaltars entfernt werden.

Ende Oktober 2005 wurde die Kirche im vorderen Teil eingerüstet. Die Maler frischten die vergrauten Wände auf. Zuvor musste noch eine Leitung vom neuen Orgelstandort zur Empore gelegt werden, um später die geplante „Emporenorgel“ von der Hauptorgel spielen zu können.

In der zweiten Novemberhälfte wurden die Vorbereitungen für den Orgelneubau fortgesetzt. Die Elektriker verlegten die Kabel für die Stromversorgung der Orgel. Die Eisenträger für den Sockel der Orgel wurden geliefert und eingebaut. Darauf wurden Holzplatten geschraubt und anschließend mit Parkett beklebt, abgeschliffen und versiegelt.

Am 12. Dezember 2005 begann dann die Phase des Aufbaus. Jede Menge Material wurde angeliefert. Am 17. Dezember stand das Stahlgerüst – quasi der Rohbau – unserer neuen Orgel. Mit einer Höhe von 9,32 m ragt sie recht imposant in den Kirchenraum.

Am 9. Januar 2006 waren andere Mitarbeiter der Firma Göckel zur Stelle. Sie hatten viel Material im Gepäck und begannen nun die Windladen und die Windkanäle in den „Rohbau“ einzufügen. Anfang April wurde noch der hintere Teil der Kirche neu gestrichen. Damit erstrahlt der gesamte  Innenraum der Kirche in neuem Glanz.

Erzbischof em. Dr. Oskar Saier bei
der Orgelweihe am 11.06.06
 
Zwischenzeitlich war auch Herr Göckel persönlich immer öfters anwesend. Er intonierte die Orgel d.h. jede der über 2000 Pfeifen musste gestimmt und auf die richtige Klangfarbe und Lautstärke eingestellt werden..

Wie eingangs erwähnt war die Finanzierung der neuen Orgel nicht ganz unproblematisch, da die Kirchengemeinde aus Steuermitteln nichts beitragen konnte. So war der Bauförderverein und mit ihm die ganze Pfarrgemeinde gezwungen, immer wieder um Spenden zu bitten und verschiedene Aktionen durchzuführen. Einige sind nachstehend aufgeführt:

  • Pfarrfeste
  • Div. Benefizkonzerte,
  • Orgelpfeifenpatenschaften,
  • Kollekten bei Gottesdiensten,
  • Mitgliederbeiträge des Baufördervereins,
  • Spenden von Vereinen und Firmen,
  • Theateraufführungen,
  • Herausgabe eines Kochbuchs,
und darüber hinaus viele kleine und große Spenden von unzähligen Personen.

Disposition der neuen Göckel-Orgel
Hauptwerk (I. Manual) C – a'''      
1. Bourdon 16'                   6. Quinte 2 2/3'
2. Principal 8'   7. Octave 2'
3. Konzertflöte 8'   8. Mixtur IV 1 1/3'
4. Octave 8'   9. Trompete 8'
5. Nachthorn 4'      
         
Schwellwerk (II. Manual) C – a'''      
10. Diapason 8'   17. Cornett III 2 2/3'
11. Gedeckt 8'   18. Plein jeu V 2'
12. Gambe 8'   19. Basson 16'
13. Voix céleste 8' ab c'   20. Trompette harmonique 8'
14. Geigenprincipal 4'   21. Oboe 8'
15. Querflöte 4'   22. Clairon 4'
16. Octavin 2'      
- Tremulant -        
         
Positiv (III. Manual)  C – a'''      
23. Voix humaine 8'    24. Gedackt 8'
- Tremulant -        
         
Pedal C - f'      
25. Flöte 32'   29. Gedecktbass 8'
26. Flöte 16'   30. Choralbass 4'
27. Subbass 16'   31. Posaunbass 16'
28. Octavbass 8'   32. Trompetbass 8'
         
Koppeln        
II / I     II / I 16'  
III / I     III / II  
II / II 16'        
I / P     II / P  
III / P        

Mechanische Tontraktur
Elektrische Registertraktur mit Setzer